PHQ-2 vs. PHQ-9: Ein Leitfaden zu Stimmungsscreenings und Auswertungen
January 26, 2026 | By Clara Holloway
Der Besuch bei einer medizinischen Fachkraft oder das Durchstöbern einer Wellness-Website kann sich manchmal anfühlen, als betrete man eine Welt voller Codes und Akronyme. Zu den bekanntesten gehören PHQ-2 und PHQ-9 – zwei kurze Fragebögen, die zur Erkennung depressiver Symptome eingesetzt werden. Falls Sie gerade Ihre emotionale Lage erkunden, ist das Verständnis der Unterschiede zwischen PHQ-2 und PHQ-9 ein praktischer erster Schritt zur Klarheit. Diese Bögen sollen Sie nicht in eine Diagnose pressen, sondern dienen vielmehr als behutsame Standortbestimmung für Ihr Wohlbefinden. Für einen einfachen, vertraulichen Einstieg können Sie das PHQ-9-Screeningtool online ausprobieren, um zu sehen, wie Ergebnisse typischerweise interpretiert werden.

Die Grundlagen: Was sind PHQ-2 und PHQ-9?
Die Patient Health Questionnaire (PHQ)-Familie wurde entwickelt, um Hausärzt:innen bei der schnellen Erkennung stimmungsbezogener Probleme zu unterstützen. In einer schnelllebigen Medizinwelt fungieren diese Tools als Erstbewertungssystem. Um den Unterschied zwischen PHQ-9 und PHQ-2 zu verstehen, muss man ihre gemeinsame Herkunft kennen: Beide sind evidenzbasierte Instrumente zur Messung der Häufigkeit depressiver Symptome.
Der PHQ-2: Der Schnellcheck
Der PHQ-2 ist die ultrakurze Version des Fragebogens. Er besteht aus nur zwei Fragen zu Anhedonie (Interessenverlust an früher geschätzten Aktivitäten) und depressiver Stimmung. Da die Beantwortung weniger als eine Minute dauert, wird er oft als erster Schritt eingesetzt.
Der PHQ-9: Die detaillierte Untersuchung
Der PHQ-9 ist die vollständige Version. Er beinhaltet die beiden Fragen des PHQ-2, erweitert sie jedoch um körperliche und kognitive Symptome. Er betrachtet Schlafmuster, Energielevel, Appetit, Konzentration und Bewegungsdrang. Während der PHQ-2 das Vorhandensein von Auffälligkeiten prüft, hilft der PHQ-9, den Schweregrad einzuschätzen und zu erkennen, wie Symptome den Alltag beeinflussen.
PHQ-2 vs. PHQ-9: Wichtige Unterschiede in Aufbau, Zeitaufwand und Zweck
Beim Vergleich von PHQ-2 und PHQ-9 ist es hilfreich, sie als Filter versus Mikroskop zu betrachten. Der PHQ-2 kann potenzielle Probleme schnell aufzeigen, während der PHQ-9 detaillierte Informationen liefert, die eine klarere Kommunikation ermöglichen.
| Merkmal | PHQ-2 | PHQ-9 |
|---|---|---|
| Anzahl der Fragen | 2 Fragen | 9 Fragen + 1 Zusatzfrage zu Auswirkungen |
| Durchschnittliche Dauer | < 60 Sekunden | 3–5 Minuten |
| Schwerpunkt | Kernstimmungsymptome | Körperliche, kognitive & Stimmungssymptome |
| Punkteskala | 0 bis 6 | 0 bis 27 |
| Klinisches Ziel | Erstes Screening | Schweregradbeurteilung & Verlaufsmessung |
Der Hauptunterschied zwischen PHQ-9 und PHQ-2 besteht darin, dass der PHQ-9 eine abschließende Frage zur funktionellen Beeinträchtigung enthält – wie sehr Symptome die Arbeitsfähigkeit, Haushaltsführung oder zwischenmenschliche Beziehungen erschweren. Dieser Kontext kann ebenso wichtig sein wie der reine Zahlenwert.
Die Zwei-Schritt-Logik: Warum Fachkräfte mit PHQ-2 beginnen
Sie fragen sich vielleicht, warum nicht einfach bei allen mit dem PHQ-9 begonnen wird. Der Grund liegt oft in gestuften Versorgungskonzepten: Zuerst das schnellste Tool nutzen, dann bei Bedarf vertiefen.
Die Effizienz des Vorscreenings
Der PHQ-2 dient als Türöffner. Sehr niedrige Scores (z.B. 0–1) deuten häufig auf ein geringeres Risiko einer Major-Depression hin – keine Garantie, der Kontext bleibt entscheidend. Ziel ist es, unnötige Schritte zu vermeiden, wenn die Antworten auf geringe aktuelle Symptome hindeuten.
Wenn der PHQ-2 eine vollständige Untersuchung auslöst
Erreicht Ihr PHQ-2-Score einen üblichen Grenzwert, folgt typischerweise der PHQ-9. Dieser Workflow konzentriert Ressourcen dort, wo sie am nötigsten sind, ohne normale, vorübergehende Stimmungstiefs zu überpathologisieren.

PHQ-2 vs. PHQ-9 Auswertung: Interpretation Ihrer Ergebnisse
Zahlen auf Papier können beunruhigend wirken, doch sie sind bloß Datenpunkte. Entmystifizieren wir, was diese Scores praktisch bedeuten.
PHQ-2-positiv: Bedeutung eines Scores ≥3
Die Bedeutung eines PHQ-2-positiven Scores (≥3 auf der 0–6-Skala) bereitet oft Sorge. Ein positives Screening ist keine Diagnose. Es signalisiert lediglich: Hier könnte etwas untersuchenswert sein und führt meist zur PHQ-9-Vervollständigung.
Die PHQ-9-Schweregradskala: Ihr Erleben abbilden
Der PHQ-9 ergibt einen Gesamtscore von 0–27. Fachkräfte nutzen oft folgende Schweregradeanhaltspunkte:
- 0–4: Minimale Symptome. Meist keine Intervention nötig.
- 5–9: Milde Symptome. Können von Unterstützung, Selbstfürsorge oder abwartender Beobachtung profitieren.
- 10–14: Moderate Symptome. Oft ratsam, Beratung oder strukturierte Hilfen in Betracht zu ziehen.
- 15–19: Mäßig schwere Symptome. Können auf erhöhten professionellen Behandlungsbedarf hindeuten.
- 20–27: Schwere Symptome. Zeitnahe klinische Unterstützung ist ratsam, besonders bei alltäglichen Beeinträchtigungen.
Wichtig: Bei Selbstgefährdungsgedanken (inklusive PHQ-9 Frage 9) behandeln Sie dies priorisiert als Sicherheitsaspekt – unabhängig vom Gesamtscore.
Aktions-Checkliste: Vorbereitung auf Ihren Termin
Falls Ihr PHQ-2- oder PHQ-9-Score im moderaten bis schweren Bereich liegt, hilft diese Checkliste bei der Gesprächsvorbereitung:
- Auslöser identifizieren: Gab es kürzlich einschneidende Lebensereignisse, Verluste, Burnout, Konflikte oder Gesundheitsprobleme?
- Dauer notieren: Bestehen diese Gefühle seit über zwei Wochen?
- Körpersignale tracken: Wie haben sich Schlaf, Appetit und Energie verändert? (Häufige Elemente bei PHQ-2/PHQ-9-Scorings.)
- Frage-9-Bewusstsein: Seien Sie bereit, offen über Selbstverletzungsgedanken zu sprechen – selbst wenn sie klein erscheinen.
Genauigkeit, Grenzen und Sicherheit
Obwohl weit verbreitet, sind diese Tools nicht perfekt. Das Verständnis technischer Aspekte wie PHQ-2-Sensitivität und -Spezifität hilft, Ergebnisse einzuordnen.
Sensitivität vs. Spezifität: Falschpositive vermeiden
Der PHQ-2 ist hochsensitiv angelegt – er erkennt viele Hilfsbedürftige. Dies geht zulasten erhöhter Falschpositiver bei temporärem Stress, Trauer oder Lebensübergängen. Daher folgt auf einen positiven PHQ-2 üblicherweise der PHQ-9. Für eine Übersicht gängiger Score-Bereiche nutzen Sie den PHQ-9-Fragebogen.
Die kritische Bedeutung von Frage 9
Im PHQ-2- vs. PHQ-9-Scoring-Prozess ist Frage 9 der sicherheitsrelevanteste Punkt. Beantworten Sie sie mit mehr als Überhaupt nicht, ist zeitnahe Unterstützung ratsam.
Bei akuter Selbstgefährdung holen Sie umgehend Hilfe: Wählen Sie die örtliche Notrufnummer (z.B. 112 in Deutschland) oder eine Krisenhotline. In Deutschland erhalten Sie unter 0800-1110111 (Telefonseelsorge) oder 0800-1110222 (für Kinder/Jugendliche) Unterstützung.

Vertiefung: Ein Szenario
Ein hypothetisches Beispiel verdeutlicht den Unterschied zwischen PHQ-2 und PHQ-9:
Szenario: Alex (28) durchlebt eine stressige Lebensphase mit Überforderungsgefühlen, Konzentrationsschwierigkeiten und emotionaler Abgestumpftheit.
- Schritt 1: PHQ-2-Score von 4 (positives Screening).
- Schritt 2: PHQ-9-Score von 12 (moderat).
- Interpretation: Der PHQ-2 signalisierte Belastung, der PHQ-9 zeigte dominante Symptome (z.B. Konzentrationsprobleme und Selbstkritik). Diese Details helfen der Fachkraft, auf Ursachen fokussiert zu sprechen – nicht bloß auf den Gesamtscore.
Verbreitete Missverständnisse zu PHQ-Screenings
- "Ein hoher Score bedeutet Medikamente": Nicht zwangsläufig. Die Behandlung hängt von Dauer, Beeinträchtigung, Vorgeschichte und Präferenzen ab.
- "Diese Tests erfassen meine ‚wirklichen‘ Probleme nicht": Teilweise richtig. Sie messen nicht alles (wie Trauma, Trauer oder Umgebungsstress). Sie sind ein Ausgangspunkt, nicht die ganze Geschichte.
- "Ich sollte niedrig scorren, um gesund zu wirken": Ehrlichkeit führt zur passenden Unterstützung. Diese Tools dienen Ihnen – es gibt nichts zu "bestehen".
Nächste Schritte für Ihr Wohlbefinden
Falls Ihr Vergleich von PHQ-2 und PHQ-9 belastende Gefühle aufzeigte, folgen hier praktische Schritte:
- Besprechen Sie es mit einer Fachkraft: Zeigen Sie Ihre Scores und sagen Sie: „Ich habe diese Screenings gemacht und möchte verstehen, was sie für mich bedeuten.“
- Muster erkennen: Konzentrieren Sie sich nicht nur auf den Gesamtwert. Welche Bereiche waren am höchsten? Schlaf, Energie, Konzentration, Hoffnungslosigkeit?
- Eine unterstützende Maßnahme wählen: Eine Therapieanfrage, Schlafroutinen-Anpassung, täglicher Spaziergang oder Vertrauensgespräch können ein sinnvoller erster Schritt sein.
Das Fazit
Die Unterschiede zwischen PHQ-2 und PHQ-9 zu verstehen, ist Selbstfürsorge. Ob Sie mit einem Zwei-Fragen-Screening beginnen oder den vollständigen PHQ-9 nutzen: Sie sammeln Informationen für bessere Entscheidungen. Für einen einfachen, diskreten Einstieg können Sie den PHQ-9-Fragebogen online nutzen. Bedenken Sie: Diese Tools sind edukativ und reflektierend – sie diagnostizieren keine Depression – und professionelle Unterstützung hilft bei der einordnenden Ergebnisinterpretation.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Hauptunterschied zwischen PHQ-2 und PHQ-9?
Der Hauptunterschied liegt in Tiefe und Zweck: PHQ-2 ist ein 1-Minuten-Screening zur Problemidentifikation, PHQ-9 ein 3–5-Minuten-Tool zur Schweregradbeurteilung und Verlaufsmessung.
Kann der PHQ-2 falschpositiv sein?
Ja. Der PHQ-2 ist hochsensitiv angelegt und kann temporären Stress erfassen. Daher erfordert ein positives Ergebnis meist PHQ-9-Nachtest und persönliches Gespräch.
Ist ein PHQ-9-Score von 10 hoch?
Ein Score von 10 fällt in den moderaten Bereich. Er deutet oft auf behandlungsrelevante Symptome hin – je nach Situation können Therapie, Lebensstiländerungen oder klinische Abklärung sinnvoll sein.
Welche Bedeutung hat Frage 9 im PHQ-9?
Frage 9 ist der Sicherheitscheck zu Selbstverletzungsgedanken. Jede Antwort außer Überhaupt nicht signalisiert Unterstützungsbedarf. Bei akuter Gefahr wählen Sie sofort den Notruf oder eine Krisenhotline.
Wie oft sollten diese Fragebögen zur Stimmungsverlaufskontrolle genutzt werden?
Im klinischen Setting oft alle 2–4 Wochen. Zur Selbstreflexion kann monatliche Nutzung ausreichen, um Muster ohne Überfokussierung auf tägliche Schwankungen zu erkennen.